Mann über Bord

Gestern wurde für mich ein Traum wahr: ich durfte als grosser Titanic die Ausstellung in Zürich besuchen. Für die Ausstellung wurden extra Zeitzeugenberichte von Schweizer Passagieren zusammengestellt und ausgearbeitet. Eine davon ist mir besonders geblieben: diejenige von Richard Norris Williams.

 

Richard wurde in Genf als Sohn eines amerikanischen Anwalts geboren und wuchs in der Schweiz auf. 1911 wurde er Schweizer Meister im Tennis. Im April 1912 bestieg der damals 21-jährige die Titanic mit seinem Vater. Richard hatte grosse Pläne für seine Zeit in Amerika: er wollte in Harvard studieren und Tennis spielen.

 

Doch es kam anders: stattdessen steuerte die Titanic auf einen Eisberg zu. Das Schiff war für 64 Rettungsboote ausgelegt, hatte aber nur 20 an Bord, um den Passagieren mehr Platz auf dem Deck zu bieten. Diese Anzahl genügte nicht einmal für die Hälfte der Menschen an Bord.

 

Es kam, wie es kommen musste: Richard und sein Vater fanden kein Rettungsboot mehr und hielten sich bis zuletzt auf dem sinkenden Schiff auf. Richard, der nur wenige Meter neben seinem Vater stand, musste mitansehen, wie dieser von einem der vier Schornsteine erschlagen wurde.


Gleichzeitig musste er sich von der Schockstarre lösen und von ein paar Metern Höhe in das minus Zwei Grad kalte Wasser springen, um sich selbst zu retten. Er fand ein gekentertes Rettungsboot und hielt sich sechs Stunden im eiskalten Wasser daran fest, ehe er gerettet wurde. Später empfahl ihm ein Arzt auf dem Passagierschiff, die Beine aufgrund schwerer Erfrierungen amputieren zu lassen.

 

Richard widersetzte sich und stand drei Monate später auf dem Tenniscourt, wo er einem weiteren Titanic Überlebenden begegnete: Karl Howell Behr.

 

Als der 26-jährige Behr, der auf einer Geschäftsreise in Europa war, hörte, dass Helen Newsom, eine Freundin seiner Schwester, als Passagierin mit der Titanic in die USA zurückreisen wollte, buchte er ebenfalls ein Ticket Erster Klasse und hoffte so, ihr näher zu kommen. Ihre Mutter, die sich ebenfalls auf dem Schiff befand, war gegen diese Verbindung.

In der Nacht des Untergangs schafften es alle drei auf ein Rettungsboot. Knapp ein Jahr nach dem Unglück heiratete Karl Helen in New York. Sie bekamen vier Kinder.

Die Überlebenschance auf der Titanic betrug rund 30%, doch als ich diese Geschichten las, machte mein romantisches Herz Freudensprünge. Auch, dass ich diese Zeilen schreiben und sie mit dir teilen kann, macht mich sehr glücklich, und ich hoffe, auch du hast diese Geschichte gern gelesen.